Gewicht der Zeit

Die Metapher vom Gewicht der Zeit betont, dass Zeit, vor allem aus der Perspektive der Musik, als Materie verstanden werden kann, so ähnlich wie Luft durchsichtig ist, aber ein Gewicht hat und einen Widerstand, Klänge transportieren kann und Krankheitserreger, so lässt sich auch Zeit als etwas Materielles vorstellen und nicht als eine mathematische, leere Größe – als die es die Zeit natürlich auch gibt, aber von dieser Zeit ist hier, wie sich denken lässt, nicht die Rede. Wenn Zeit als etwas betrachtet wird, das Eigenschaften aufweist, als eine Materie oder ein *Material*, um es vorsichtig zu formulieren, dessen die Musik sich bedient, um etwas zu bedeuten und um Formen darstellen zu können, dann ist es ein kleiner Schritt zu sagen, Zeit habe ein Gewicht.

Erstellen wir also eine Liste der Eigenschaften von Zeit. Vielleicht gelingt es uns sogar zu zeigen dass die Zeit nicht nur aus der Perspektive der Musik Eigenschaften hat und ein Material ist. Sobald wir von jener mathematischen Zeit absehen, sobald wir also nicht von dem Zeitbegriff sprechen, den die Planetenbewegungen vorgeben sondern von dem, der aus menschlicher Perspektive erfahrbar ist, ist die Vorstellung einer Materialität der Zeit nicht besonders abwegig, denn diese nicht-objektive Zeit ist zwangsläufig immer an eine lebendige Perspektive gebunden, an eine spezifische Situation und Zuständlichkeit eines Lebewesens.

Selbstverständlich wird nicht behauptet, dass Zeit ein Gas sei. Oder eine Teilchenwolke. Es wird angenommen, dass Zeit für Zeitwesen, die Lebewesen nun mal sind, eine beeinflussbare Dichte hat. Wozu, könnte gefragt werden, sollten wir es vermeiden, das Phänomen subjektiver Zeitempfindung einfach auf psychologischer Ebene aufzulösen? Der Grund ist, dass Musik etwas Außersubjektives ist. Werke stehen wiederholbar in der Welt und mit ihnen wiederholbar ist der reziproke Effekt zwischen geformten Klanggebilden und der Zeitwahrnehmung. Die Zeit nicht als leeren “Raum”, sondern als akustisch greifbare Knetmasse für die musikalische Gestaltung zu betrachten hat den Vorteil, dass musikalische Phänomene begreifbarer werden, vor allem aber der Sinn von Musik ohne den erkennbaren Anwendungszusammenhang sich abzeichnet.

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