Das Gewicht der Zeit

Umrisse von Musik und Oper

Veröffentlichte und unveröffentlichte Essays

Einführung

Die Metapher vom Gewicht der Zeit betont, dass Zeit, vor allem aus der Perspektive der Musik, als Materie verstanden werden kann. So ähnlich wie Luft durchsichtig ist, aber ein Gewicht hat und einen Widerstand, Klänge transportieren kann und Krankheitserreger, so lässt sich auch Zeit als etwas Eigenwilliges vorstellen und nicht als eine leere mathematische Größe – als die es die Zeit natürlich auch gibt, aber von der hier, wie sich denken lässt, nicht die Rede sein soll. Wenn Zeit als etwas betrachtet wird, das Eigenschaften aufweist, als eine Materie oder ein *Material*, um es vorsichtig zu formulieren, dessen die Musik sich bedient, um etwas zu bedeuten und um Formen darstellen zu können, dann ist es ein kleiner Schritt zu sagen, Zeit habe ein Gewicht.

Brauchbar wäre also eine Liste der Eigenschaften von Zeit. Vielleicht gelingt es uns sogar zu zeigen dass die Zeit nicht nur aus der Perspektive der Musik Eigenschaften hat und Vorgaben macht ähnlich wie Leinwandmaterial der Malerei Vorgaben macht. Sobald wir von jener mathematischen Zeit absehen, sobald wir also nicht von dem Zeitbegriff sprechen, den die Planetenbewegungen vorgeben, sondern von dem erfahrbaren, ist die Vorstellung einer Materialität der Zeit nicht besonders abwegig, denn diese Zeit ist zwangsläufig immer an eine lebendige Perspektive gebunden, an eine spezifische Situation und Zuständlichkeit eines Lebewesens.

Selbstverständlich wird nicht behauptet, dass Zeit ein Gas sei. Oder eine Teilchenwolke. Es wird angenommen, dass Zeit für Zeitwesen, die Lebewesen nun mal sind, eine Dichte hat, eine beeinflussbare Dichte. Wozu, könnte gefragt werden, sollten wir es vermeiden, das Phänomen subjektiver Zeitempfindung einfach auf psychologischer Ebene aufzulösen? Der Grund ist, dass Musik etwas Außersubjektives ist. Werke stehen wiederholbar in der Welt und mit ihnen wiederholbar ist der reziproke Effekt zwischen geformten Klanggebilden und der Zeitwahrnehmung. Die Zeit nicht als leeren “Raum”, sondern als akustisch greifbare Knetmasse für die musikalische Gestaltung zu betrachten hat den Vorteil, dass musikalische Phänomene begreifbarer werden, vor allem aber der Sinn von Musik ohne erkennbaren Anwendungszusammenhang sich abzeichnet.


Inhalt

Die narrative Rolle der Musik im Musiktheater

Vortrag für die Akademie Musiktheater heute vom 28.5.1999 S.  2

Oper. Eine Reihe von Sätzen

Essay gekürzt, orig. veröffentlicht 2001 S. 21

Machtkritik durch das Musiktheater

Vortrag für die Akademie Musiktheater heute, August 2001 S. 32

Zweifel, Zauber, Zeit. Wagners Lohengrin         S. 42

Schönbergs Prinzip der Musikalischen Prosa   S. 49

Zufall und Wahrscheinlichkeit bei Xenakis und Cage    S. 52

In offener Gesellschaft. Eine akustische Utopie S. 54

Originalbeiträge Ruhrtriennale 2002-2004 S. 62

Der letzte Faden. Überlegungen zu Alban Bergs Wozzeck 2009    S. 74

Aktuelle Wegbeschreibung für Babylon, Bayr. Staatsoper 2012 S. 88

Der freischaffende Kompromiss. Über den ökonomischen Sonderfall eines freischaffenden Komponisten. Neufassung eines Artikels aus: Max Joseph. Magazin der Bayerischen Staatsoper Seite 103

In der Musikhandlung, veröffentlicht Pfau Verlag 2003  

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